Erster «Arbeitstag» der Abklärung

Gestelle, zweistöckige Regale und Kisten. Parkettboden. Eine Leiter. Höhe der Decke etwa 4 Meter. Viele Leuchtstofflampen, hell beleuchtet. An den Ecken der Regale am Boden gelb-weisse Markierungen, vermutlich als Hilfe für Sehbehinderte.

Lager Gewa

Heute war mein erster richtiger «Arbeitstag» bei der Gewa. Ich bekam verschiedene kleinere Aufgaben. Ich hatte das Gefühl, dass die Gewa bei der Abklärung meine Kompetenzen austestet. Es war leichte Büroarbeit, nicht anstrengend. Meine Schulter machte mir auch keine Schmerzen.

Zuerst sollte ich einen kleinen Text über meinen Traumjob auf dem PC schreiben. Ich schrieb, dass ich gerne als Coach oder psychologische Beraterin arbeiten würde, einfach eine Arbeit mit sozialem Austausch in der Gebärdensprachgemeinschaft. Nach der Vormittagspause um 10 Uhr sollte ich etwa 30 Adressen ab Blatt auf dem PC erfassen und ein Kassabuch von Hand führen. Ich habe meinen Chef immer gut verstanden, was er mir sagen wollte. Er mich aber leider nicht. Ich musste alles aufschreiben, genau wie ich es  den Damen von der Invalidenversicherung im Antrittsgespräch der Abklärung schon gesagt hatte.

Selbstbedienungsanlage aus elegantem Metall. Schöner, grauer, glänzender Steinboden. Decke aus gewelltem Holz. Eine Frau an der Kasse, ein Mann an der Kaffeemaschine. Ein Klavier im Hintergrund. Stimmung: Hell, freundlich, modern, elegant. Kein Tageslicht (vermutlich draussen dunkel).

Cafeteria im zweiten Stock

Dann war Mittagspause. Ich habe im zweiten Stock in der Cafeteria zu Mittag gegessen. Das Essen war nicht teuer und gut.

Danach habe ich das Kassabuch weiter geschrieben. Ingesamt waren es drei Seiten. Ich war erst kurz vor Feierabend fertig. Zuletzt sollte ich noch Tasten in eine Tastatur einsetzen. Mit dieser Arbeit hatte ich Mühe. Mir fehlt die nötige Feinmotorik für diese fummelige Sache. Ich entschuldigte mich beim Chef und sagte ihm, dass diese Arbeit nicht gut möglich ist. Er hat das gut akzeptiert. Dann war es viertel vor fünf und ich durfte nach Hause.

In der Nachmitagspause habe ich einen Bekannten getroffen. Er ist gehörlos wie ich. Wir konnten ein bisschen plaudern. Ich fand das nett.

 

4 Gedanken zu “Erster «Arbeitstag» der Abklärung

  1. Liebe Cam (und lieber Daniel!)
    leider habe ich erst heute von Deinem super guten Blog erfahren! Der Kommentar von Daniel auf dem Blog von Mia (“Gesellschaft, Behinderung und die Invalidenversicherung“) hat mich darauf gelenkt.

    Als erstes einfach einmal herzliche Gratulation! Was Du da machst ist nicht nur super für Deine seelische Gesundheit, sondern ebenso wichtig auch für die Behindertenpolitik. Ich habe selten eine so gute Beschreibung der Gefühle gelesen, die uns alle überkommen, wenn wir einen Brief der IV oder gar eine Ankündigung einer Revision oder einer Massnahme erhalten. Wer das liesst merkt: ich bin nicht allein! Damit allein schon hilfst Du ganz vielen Leuten. Es wäre so gut und so wichtig, wenn viele so über ihre Erlebnisse und ihre Gefühle dabei schreiben würden!

    Zweitens: ich hoffe Deine Homepage, Dein Blog, hat ganz viele LeserInnen – und wir vom Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (ZSL) helfen gerne mit, Deinen Blog noch weiter herum bekannt zu machen. Wenn ihr es uns erlaubt, werden wir Deinen Blog in unsere Blogliste auf unserer Homepage aufnehmen. Ist das OK für Euch?

    Drittens: wir vom ZSL drücken Dir ganz fest beide Daumen und wünschen Dir viel Kraft bei Dir selber zu bleiben – Dein Selbstbestimmungsrecht zu behalten, was immer auch auf Dich zu kommt. Mit grosser Spannung verfolgen wir Deine weiteren Berichte.

    Wie wünschen Dir – und Euch beiden – alles, alles Gute!
    Mit besten Grüssen – Peter

  2. Liebe Cam und lieber Daniel

    Ich gratuliere euch für eure informative und aufklärende Homepage zum Thema der Arbeitsmarktlichen Abklärungen der IV.

    Die Homepage ist sehr informativ und, das finde ich ganz wichtig, sehr persönlich. Ihr deckt damit ein zentrales Bedürfnis nach konkreten Informationen ab. Menschen die in der gleichen, oder einer ähnlichen Situation sind wie Cam, können sich so informieren und selbst mit Betroffenen ins Gespräch kommen. Dieser Austausch scheint mir sehr wichtig zu sein.

    Warum dies so wichtig ist möchte ich euch noch kurz darlegen. Einerseits ist da die Angst, wie Cam selbst schreibt, vor einer Abklärung der IV. Diese Institution ist für Betroffene zunächst einmal sehr Bedrohlich. Diese Bedrohung hängt oft mit der persönlichen Erfahrung zusammen, aber auch mit den endlosen Sparübungen die die IV umsetzten muss und in diesem Zusammenhang natürlich auch mit der medialen Berichterstattung und dem Aufdecken von sehr Problematischen Vorgehen, wie zum Beispiel bei der medizinischen Abklärung.

    Andererseits trägt eure Homepage aber auch dem Informationsbedürfnis vieler Betroffenen Rechnung. Um in diesem Prozess richtig zu handeln ist Aufklärung nötig. Das heisst aber auch, dass ihr mit euren Informationen dazu beiträgt, dass Menschen in dieser Situation ihr Selbstbestimmungsrecht aufrecht erhalten und aktiv einbringen können. Selbstbestimmung meint, dass ich gut, also eigentlich umfassend informiert bin, um auf dieser Grundlage eigene Entscheide zu fällen. Diese Informationen kann ich dann in meine Präferenzen für mein Leben einbauen und kann somit auch selbstbewusst auftreten. Dies ist sicher eine viel bessere Voraussetzung im Umgang mit der IV, als wenn ich vor lauter Angst kaum wahrgenommen werde.

    Aber was heisst denn schon eigene Entscheide zu fällen, wenn ich den Abklärern ausgeliefert bin? Das heisst für mich, die eigene Persönlichkeit mit den eigenen Präferenzen auch auszudrücken. Im Verfahren mitzuarbeiten und begründet dazu Stellung zu nehmen, warum eine Arbeit geht oder nicht geht. Den Kontakt zu den Abklärern zu suchen und Informationen einzufordern wie, was genau wird abgeklärt und welches sind die Kriterien der Abklärung – und dazu Stellung zu nehmen.

    Wenn ihr damit einverstanden seid, leite ich den Link der Seite an unsere Mitgliederorganisationen und Interessierte weiter, mit der Bitte auf eure HP aufmerksam zu machen.

    Ich wünsche Cam viel Kraft und Durchhaltevermögen um die laufende Abklärung gut und selbstbestimmt zu absolvieren.

    Euch beiden vielen Dank für die äusserst hilfreiche Homepage!

    • Lieber Herbert, ja ich bin einverstanden. Es ist gut, wenn weiter gesagt wird!

      Cam

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