Vorfreude

Übermorgen fängt die Abklärung an! Was habe ich dabei für Gefühle? Vorfreude?

Es ist jetzt fünf Monate her seit der ersten Kontaktaufnahme von der Invalidenversicherung. Fünf Monate habe ich mich mit der Abklärung gedanklich und gefühlsmässig auseinandergesetzt. Was wird diese Abklärung für Folgen haben? Wird meine Rente gekürzt? Muss ich jetzt in einer geschützten Werkstätte langweilige Versandarbeiten machen? Akzeptiert die IV, dass meine Schulter nicht mehr so mitmacht?

In dieser Zeit hatten wir vier verschiedene Kontakte bei der IV-Stelle Bern. Von der Praxisassistentin habe ich im Beitrag «Erster Kontakt» schon berichtet. Im Dezember wurde sie durch Frau «Tannenbaum1» abgelöst. Kurz danach bekam ich einen Brief von der Staatsanwaltschaft in Bern. Ich soll ausgerechnet am ersten Tag der Abklärung, am 30. Januar 2012, zu einem Unfall in Porto als Zeugin aussagen. Damals wurde ich in der Fussgängerzone am Douro von einem Taxi überfahren und am Fuss verletzt.

Mein Mann hat Frau «Tannenbaum» gemailt und über den Terminkonflikt informiert. Dann war Weihnachten. Es passierte eine Weile nichts. Auch Angestellte der Invalidenversicherung machen Weihnachtsferien. Dafür haben wir Verständnis. Am 20. Januar traf dann eine Einladung von Frau «Bergamotte» ein. Ihr Stellvertreter ist Herr «Sonnenblume». Von der Praxisassistentin und Frau «Tannenbaum» hörten wir nichts mehr. Bei so vielen Kontakten fehlt mir das Persönliche. Ich fühle mich wie eine heisse Kartoffel vom Angestellten zu Angestellten weiter gereicht.

Wegen dem Terminkonflikt wird der Einstiegstag nun anders organisiert. Das Gespräch beginnt anders als geplant erst um halb elf und am Nachmittag bekomme ich frei, damit die Zeugeneinvernahme stattfinden kann. Ja, das ist ein bisschen eine komische Geschichte. Übermorgen werde ich mehr wissen, und natürlich hier berichten.

Übermorgen also. Es wird wirklich langsam ernst. Ich fühle mich mehr und mehr ausgeliefert. Beim Gedanken an den kommenden vier Wochen krampft es mir den Bauch zusammen. Das ist halt meine Ablehnung der ganzen Massnahme! Es hat mich niemand gefragt, ob ich einverstanden wäre. Ich schwanke zwischen Resignation und Auflehnung. Zum Glück habe ich von Lilly einige Abgrenzungstechniken gelernt. Das gibt mir Kraft und Mut. Auch die Website hier ist eine Hilfe (siehe Geistesblitz). Zumindest bis die nächste Welle an Zukunftsangst und Unsicherheit meine Standfestigkeit unterspült: Kann ich meine Mitwirkungspflicht wirklich so erfüllen wie von der Invalidenversicherung verlangt?

Kurz: Von Vorfreude keine Spur.


1Fantasiename!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>