Abbruch der Abklärung

Gerade eben (Mittwoch, 15. Februar 2012 um etwa 11 Uhr) haben Cam und ich Bescheid bekommen, dass die Abklärung abgebrochen wird. Cam war heute nochmals beim Arzt, weil die Schulterbeschwerden zugenommen haben.

Um 16 Uhr soll eine Besprechung stattfinden. Vielleicht klappt es mit Dolmetschen. Wir werden später mehr informieren, wenn wir auch mehr wissen.

Angst, Ziele der In­validen­ver­siche­rung und Mitwirkungs­pflicht

Video Standbild: Daniel gebärdet Daniel erzählt in Gebärdensprache über drei Themen: Angst vor Briefen der Invalidenversicherung, warum die Invalidenversicherung überhaupt Abklärungen macht und über einen Konflikt der Mitwirkungspflicht zum Beispiel mit der Wirtschaftsfreiheit. Es gibt ein Transkript für die, die nicht Gebärdensprache verstehen. Untertitel haben wir aus Zeitgründen weggelassen. Weiterlesen

Wer ist die Ärztin?

Heute war in der Abklärung nichts Besonderes los. Es gab typische Testaufgaben: Korrespondenzbriefe schreiben, Rechtschreibung korrigieren, Kassabuch im Excel erstellen, Serienrechnung schreiben und zuletzt kreativ Dekorationskarten entwerfen. Ich frage mich, ob die ganze Abklärung von vier Wochen nur aus Testaufgaben besteht. Heute aber tauchte die Frage auf: Wer ist die Ärztin? Weiterlesen

Versicherungsprinzip

Heute morgen um halb acht habe ich Cam nach Schönbühl gebracht. Mir fällt auf: Das Gebäude der Gewa ist modern, grosszügig, gepflegt und hell. Die Leute sind freundlich und relaxt. Im zweiten Stock hat es eine gemütliche Cafeteria.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Gewa ist ja nicht so schlecht. Warum hat meine Frau trotzdem keine Freude? Weil es an Freiwilligkeit fehlt. Zwingt man einem Kind Schokolade in den Mund, gibt es Tränen.

Die Freiwilligkeit hat seine Ausprägung in der Vertragsfreiheit. Sie ist im Schweizer Rechtssystem heilig. Niemand kann gezwungen werden, sich rechtlich zu verpflichten. Und die Mitwirkungspflicht? Sie hebelt die Vertragsfreiheit aus. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir, dass da ein Fehler im Konzept der IV vorliegt!

Bei der Seite Mitwirkungspflicht habe ich über den «moral hazard» geschrieben. Sie zeigt sich im Konflikt zwischen dem Willen der Versicherung, Gelder zu sparen und dem des Versicherten, so stark wie möglich zu profitieren. Beide Ziele sind grundsätzlich legitim. Der Versicherte hat Beiträge bezahlt und verlangt eine Gegenleistung, wenn der Versicherungsfall eintritt. Die Versicherung muss mit ihren Geldern haushälterisch umgehen. Diesen Konflikt aufzulösen ist schwierig. Um so mehr, wenn das zu versichernde Risiko komplex und unscharf ist, wie die Invalidität. Schlimmstenfalls verlieren beide Parteien (Menschen mit Behinderungen und ihre Versicherung). Die IV ist nicht gerettet, aber es leiden bereits Tausende von Menschen mit Behinderungen unter den laufenden Rettungsmassnahmen.

Vielleicht sollten sich Politiker in der Schweiz überlegen, weg vom Versicherungsprinzip zu gehen. Also nicht den beruflichen Einkommensausfall durch eine Behinderung versichern, sondern eine ganz andere rechtliche Basis finden. Ich weiss auch nicht welche Basis gut wäre. Vielleicht hilft es, folgende Fragen zu studieren, um eine Antwort zu finden:

Was heisst das: eine Behinderung? Was hat sie ökonomisch und sozial für Folgen? Wie können Betroffene in der Gesellschaft mitmachen und ihren Teil leisten? Wie können sie unterstützt und gefördert werden? Wie können sie möglichst gleiche Freiheiten und Chancen wie alle anderen geniessen? Wie können diese Ziele effizient und selbstautonom erreicht werden?

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